Wings for Life – Laufen für die, die es nicht können

Wings for life - laufen für die, die es nicht können
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  • Beitrag zuletzt geändert am:10. Mai 2021

Wings for Life – Wir laufen für die, die es nicht können. Die Startgelder fließen in die Rückenmarksforschung. Die Firma Red Bull trägt sämtliche administrative Kosten. So können 100 % der Spenden verwendet werden, um an der Heilung für Querschnittslähmung zu forschen.

So funktionert das Rennen

Beim Wings for Life World Run starten alle Teilnehmer weltweit zur selben Zeit. Das ist genau um 11 Uhr UTC.

In England starten die Teilnehmer um 12 Uhr, in Deutschland um 13 Uhr. Und in Tokio beispielsweise um 20 Uhr.

Es gibt keine Ziellinie. 30 Minuten nach dem Startschuss setzt sich das Catcher Car in Bewegung. Es startet mit 14 km/h und erhöht das Tempo alle 30 Minuten um einen Kilometer je Stunde.

Und irgendwann hat es alle, Läufer und Rollstuhlfahrer, eingeholt.

Die gemütlichen Läufer schaffen 5 Kilometer, die Spitzenläufer bis zu 60 Kilometer.

Das Ergebnis richtet sich nicht nach der gelaufenen Zeit, sondern nach der zurückgelegten Strecke.

Der erste Wettkampf seit einem Jahr

Wings for Life – heute ist unser großer Tag. Endlich mal wieder einen Wettkampf laufen. Das war eins meiner Ziele für dieses Jahr. Natürlich virtuell wie alle anderen Wettkämpfe, die zur Zeit stattfinden.

Ich gebe zu, ich bin sehr aufgeregt. In knapp einer dreiviertel Stunde geht es los. Wie schnell werde ich laufen können?

Seit über einem Jahr bin ich bei keinem Wettkampf mehr gestartet. Ich kann gar nicht richtig einschätzen, welches Tempo ich durchhalten kann.

Es ist heute sehr warm. Meine Trinkflasche mit Apfelschorle ist gefüllt. Mein Smartphone ist geladen. Eigentlich sollte alles klappen. Und meine Aufregung steigt und steigt …

Ich mach mich jetzt besser auf den Weg zum Treffpunkt.

Der Startschuß fällt 13:00 Uhr

Wings For Life - alles ready?
Haben wir die App korrekt eingestellt?

und weltweit bereiten sich 184.236 Teilnehmer auf den Start vor. Zur gleichen Zeit. Irre, wenn man sich das einmal bildlich vorstellt.

Wir starten bei ca. 30 Grad Celsius. Ich bin noch sehr optimistisch, unser Ziel von 21 Kilotern zu schaffen. Wenn ich gewusst hätte was kommt…

Über die Wings for Life-App werden wir angeheizt. Überall auf der Welt stehen die Teilnehmer in den Startlöchern. In Tokio ist es 20 Uhr. Dann der Startschuss. Wir drücken den Startbutton in der App und den Startknopf unserer Laufuhren.

Es geht looos.

Die ersten Kilometer – super, es läuft

 Wings for Life - laufen für die, die es nicht können
Noch lachen wir…

Mit einer Pace von 5:20 geht es ab. Wir hören die Stimme des Moderators, der uns anfeuert. Das macht richtig Spass. Allerdings flüstert mir Sandy zu: Wir sind zu schnell.

Ich schaue auf meine Uhr: Nö, alles wie geplannt.

Bei Kilometer 5 denke ich schon ein bisschen anders. Ich vermisse die Wasserstationen früherer Wettkämpfe. Das waren für mich immer super Zwischenziele.

Jetzt ist meine Apfelschorle in meinem Rucksack. Ich will aber unser Zeitziel nicht gefährden und laufe ohne zu trinken weiter.

Ich beginne zu zweifeln, ob ich dieses Tempo noch lange durchhalten kann. Wann startet eigentlich diese doofe Catchercar!

30 Minuten später – das Catcher Car macht sich bereit zur Jagd

Es geht los. Das Catcher Car macht sich aufzur Verfolgungsjagd. Wenn es nicht so heiß wäre, könnte ich mich mehr auf das Rennen einlassen. Doch ich muß zugeben, meine Motivation sinkt. Kilometer um Kilometer.

Das Catcher Car kommt näher und näher

Und wir? Werden langsamer und langsamer. Das liegt definitiv an mir. Sandy ruft mir zu: 10 Kilometer schaffen wir aber auf alle Fälle.

Ok, das ist doch ein Wort. Ich konzentriere mich auf dieses neue Ziel. Meine Beine sind schwer und mein Herz pumpt. Klar, jetzt wird auch getrunken.

An so einem schönen Tag sind richtig viele Radler auf unserer Strecke. Wir bekommen ungläubige Blicke: Wer rennt schon bei dieser Hitze durch den Kanten.

Kilometer 9 – Wendepunkt auf der Strecke. Eigentlich wollten wir erst bei Kilometer 10 wenden. Da die 20 Kilometer nicht mehr machbar sind, lassen wir das.

Sandy ist auch nicht mehr ganz taufrisch. Aber definitiv die fittere von uns beiden. Wenn sie nicht dabei wäre – ich würde aufgeben.

Bei Kilometer 10 die Stimme des Catcher Cars: Ich bin noch drei drei Kilometer hinter dir. Waaas? Noch drei Kilometer!

Ich versuche, die Strecke aufzuteilen. Einen Kilometer laufen, 100 Meter gehen. Trinken. Weiter. Das klappt ganz gut.

Ein bisschen Traurigkeit beginnt sich in mir breit zu machen. Ha, so fit bist du also. Lächerlich. Und ein kleines schlechtes Gewissen habe ich auch. Sandy würde das Ding alleine so richtig rocken. Eigentlich will ich ein bisschen weinen.

Doch dann eine Stimme aus der App. Kristina Vogel – die Radsportlerin, die 2018 bei einem Wettkampf mit einem andren Teilnehmer kollidiert ist. Und seitdem im Rollstuhl sitzt. Ich verstehe nicht jedes Wort von ihr. Aber ich verstehe mein großes Glück, uberhaupt laufen zu können.

Meine Niedergeschlagenheit kommt mir auf einmal so lächerlich vor. Ich kann laufen. Wie schnell ist doch eigentlich völlig Banane.

Wenigstens 12 Kilometer könnten wir so schaffen. Bei Kilometer 12 ist die Lachtaube (so ein blöder deutscher Name!!!) 2 Kilometer hinter uns. Also weiter…

Ich bin nur noch 500 Meter hinter dir…

Ok, ich geb alles. Was noch übrig ist. Das ist nicht sehr viel. Vielleicht schaffe ich wenigstens 14,5 Kilometer.

250 Meter hinter mir. Ich befehle meinen Beinen, sich verdammt noch mal zu bewegen. Egal wie.

100 Meter – der finale Sprint. Sagt das Catcher Car. Er sieht mich ja nicht. Ein Sprint sieht eigentlich anders aus.

Es ist vorbei. Ich beuge mich vornüber und schnappe nach Luft.

Was war das für ein krasser Lauf! Ich bin so froh, dass es endlich vorbei ist.

Wings for Life – Der Lange Weg nach Hause

Wings for Life - so sehen Sieger aus
btf

Ein Radsportler hält an: Alles ok bei euch? Wir fangen an zu lachen. Ja, alles bestens. Wir haben es geschafft. Er schenkt uns ein Energie-Gel. Wir müssen extrem fertig aussehen!

4 Kilometer noch bis zum Auto. Wir laufen und gehen im Wechsel. Meine Beine geben nicht mehr her.

Zum Glück bringt uns ein Sportler aus unserem Laufverein Wasser vorbei. Das tut so gut.

Mein Darm beginnt zu rebellieren. Ich muss mich in die Büsche schlagen. Und mein Kopf beginnt zu schmerzen.

Endlich sind wir am Auto. Es geht mir jetzt schon wieder etwas besser.

Nach einer Dusche, Kaffee und herrlichem Kuchen von meiner lieben Schwiegermama sieht die Welt wieder super aus.

Ob wir das nächste Jahr dabei sind? Na klar. Wir haben ja jetzt ein Ziel – besser und weiter laufen.

Und der Lachtaube den Finger zeigen.

Wings For Life - wir sehen uns im nächsten Jahr
Im nächsten Jahr schlagen wir zurück

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