Eine unglaubliche Leistung – Wie Ultraläuferin Antje über 112 Kilometer läuft

Ultraläuferin Antje Eine unglaubliche Leistung
Fotografin Carolin Kurowsky
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  • Beitrag zuletzt geändert am:16. September 2021

Ultraläufer sind ja Sportler von ganz besonderen Schlag. Für die meisten Läufer:innen ist ein Marathon das Höchste der Gefühle. An diesem Punkt fängt für Ultraläufer:innen der Spaß erst richtig an. Da sind 50 bis 60 Kilometer ein kurzer Lauf und erst über 70 Kilometer geht es richtig zur Sache. Wie schafft man es aber, über 100 Kilometer zu laufen – Ultraläuferin Antje hat die Antwort.

24h-Lauf – ganz spontan- für einen guten Zweck

Das war er nun, der 24-h-Spendenlauf in Magdeburg zugunsten des Mukoviszidose e.V. So spontan ich meine Anmeldung zur Teilnahme tätigte, genauso schnell verflog eine wunderbare Zeit.

Mit tollen Menschen, neuen Erfahrungen und einem superorganisierten Laufevent. Mir war von Anfang an klar, dass ich keine 24 Stunden laufen möchte.

Aufgrund meiner Läufe der letzten Wochen, einer kleinen Verletzung und vor allem geplanter Läufe in den kommenden Wochen, befand ich mich eigentlich in einer Regenerationswoche.

Doch als ich den Aufruf zu diesem Spendenlauf las, konnte ich nicht anders. Anmeldung bestätigt!

Der Plan – Nur ein bisschen laufen, gemütlich

Mein Plan stand fest: Nur ein bisschen Laufen! Gemütlich! 6 h, 8 h, max. 12 h! 50 bis max. 60 Kilometer!

Die Nacht wollte ich tatsächlich zum Schlafen nutzen, da ich direkt nach dem Lauf die Heimreise antreten wollte. Also musste auf die Schnelle ein kleines Zelt her.

Gesagt, getan! Dann ging der Planungsstress erst richtig los… Anreise, Übernachtung vor dem Lauf. Eben alles ,was das Läuferherz zum Laufen und Zelten benötigt.

Natürlich nur das “Wichtigste”. Beim Anblick meines beladenen Kofferraums machte es dann eher den Anschein einer Auswanderung.

Die Wetterprognose war leider alles andere als zuversichtlich… Dauerregen! Also genügend Wechselsachen einpacken!

Und immer wieder die Frage – Ist es das eigentlich wert?

Freitag, es geht los … Nach einer Horrorfahrt aufgrund unzähliger Staus, komme ich in strömenden Regen in Magdeburg ziemlich genervt an und frage mich zum ersten Mal, ob dies alles eine solche Hau-Ruck-Aktion eigentlich wert ist.

Die Frage lasse ich mal so stehen, denn erfahrungsgemäß kann diese erst später beantwortet werden.

Nach einer eher unruhigen Nacht, dafür aber einem göttlichen Frühstück im Hotel, mache ich mich auf den Weg zum Sportkomplex “Seiler Wiesen”.

Auch wenn ich im Vorfeld keinen Teilnehmer persönlich kenne, freue ich mich ungemein auf eine tolle gemeinsame Zeit mit neuen Bekanntschaften und interessanten Gesprächen.

Die bei mir wohl wieder eher in den Laufpausen stattfinden. Danke Andreas Amberger für Deine Hilfe direkt bei meiner Ankunft.

So manche Läufer kenne ich über Facebook und freue mich daher über ein persönliches Kennenlernen, wie zum Beispiel Mario Luther.

Startschuss – es geht los

10 Uhr, es geht los, Startschuss! Es regnet nicht.

Jetzt heißt es, Runde für Runde 1,45 Kilometer, um den idyllisch gelegenen Adolf-Mittag-See drehen …

Runde für Runde um den Adolf-Mittag-See in Magdeburg – für den Spendenlauf für Mukoviszidose-Patienten

Meine Achillessehne zickt gleich von Anfang an, jedoch möchte ich ihr nicht zu viel Aufmerksamkeit schenken, ändere aber etwas meinen Laufstil.

An der Verpflegungsstation greife ich öfter zu, als ich es von anderen Läufen gewohnt bin… Die Verlockung ist zu groß. Auch das alkoholfreie Erdinger zwischendurch ist ein Träumchen.

Noch einen Kilometer bis Halbmarathon

Mein Blick auf die Uhr verrät mir noch einen Kilometer bis Halbmarathon. Danach möchte ich das Tempo drosseln und auch mal ein paar Runden marschieren.

So vergeht die Zeit. Nach 6,5 Stunden zeigt meine Uhr 50 Kilometer. Was nun? Mehr wollte ich doch gar nicht.

Jetzt aufhören? Irgendwie blöd. Also erst mal weiter Laufen. In 1,5 Stunden gibt es Kartoffelsuppe und die muss ja schließlich verdient werden.

Die 60 Kilometer in der Tasche

Ultralaueferin Antje Wenzel -Fotograf Mario Luther
Ultraläuferin Antje – Fotografin Carolin Kurowsky

Nach etwas über 60 Kilometer treffe ich mich mit Gabriele Droste , Detlef, Devon und Andreas zum “Dinner”.

Während wir unser Süppchen löffeln, fängt es an zu regnen, sodass wir mit unseren Campingstühlen ins Trockene flüchten.

Puuuhhh, es war nur ein kurzer Schauer, sollte aber Vorbote für Schlimmeres sein. Und was mach ich jetzt? Wieder die Überlegung, Aufhören? Nein! 75 Kilometer, 12 h… das klingt nach einem guten Plan.

Neues Ziel am Horizont – 75 Kilometer, 12 h

Auf gehts! Allerdings läuft’s jetzt nicht mehr ganz so locker, auch Schmerzen machen sich bemerkbar und der Himmel öffnet seine Schleusen.

Es wird ungemütlich. Auf den letzten beiden Runden habe ich mein Tagesziel nun ganz klar definiert, 75 Kilometer.

Danach raus aus den quitschnassen Klamotten, rein in die Kuschelklamotte und ab in den Schlafsack.

Zufrieden vor mich Hinschlummern, meine müden Knochen strecken und dem Klirren der Regentropfen auf dem Zeltdach zuhören.

Schöne romantische Vorstellung, das war’s aber auch schon.

Endlich im Zelt und doch keine Ruhe

Denn mittlerweile gießt es ununterbrochen wie aus Kannen, es dauert nicht lang und es tröpfelt nass auf meine Nasenspitze.

Na prima! Mit dem Handtuch versuche ich immer wieder alles vom Dach Tropfende wegzuwischen. Ich bin hellwach. An Schlafen ist nicht zu denken. Aber das Liegen tut dennoch gut.

Nach 4 Stunden verspüre ich den Drang, doch noch einmal auf die Laufstrecke zu gehen. Also wieder in trockene Laufsachen geschlüpft, Stirnlampe an und los.

Um 3 Uhr Nachts nochmal auf die Strecke

Es ist kurz vor 3 Uhr, mich umgibt eine unheimliche Stille. Es regnet leicht, kaum spürbar.

Nur wenig Läufer drehen ihre Runden. Der See hat nun etwas ganz mystisches an sich.

Aus einem umliegenden Gebüsch umgibt mich ein “süßlicher” Geruch. Da hatte wohl kurz zuvor eine Gruppe Feierwütiger ihren “Spaß”.

Nach der dritten Runde ist nun auch dieser Duft an besagter Stelle aus meiner Nase verflogen. Mittlerweile prasselt der Regen nur so herunter.

Pläne? Die sind da, um in die Tonne gehauen zu werden

Ich kann kaum noch etwas im Lichtkegel der Stirnlampe erkennen, bin pitschnass bis auf die Knochen und entscheide hier bei Kilometer 91 die Sache zu beenden.

Außerdem bin ich etwas unruhig, was mich wohl im Zelt erwartet. Die ganz große Katastrophe bleibt zum Glück aus.

An ein paar Stellen regnet es hinein, aber ich stehe nicht ganz unter Wasser. Positiv bleiben!

Ich lege mich “trocken” und schlüpfe wieder in meinen Schlafsack, knabbere ein, zwei Salamisticks und grinse bei dem Gedanken an mein im Kofferraum liegendes Piccolöchen vor mich hin.

Wie konnte mir das nur passieren?!? Da liegt es gut!

Und wie war das noch mit den Plänen? Sie sind da, um sie im richtigen Moment in die Tonne zu hauen, oder?

91 ist irgendwie eine seltsame Zahl … 7 Uhr, ich schnüre mir das mittlerweile dritte Paar Laufschuhe und ab gehts.

Energie strömt in meinen Körper, ich komme wieder in den Laufschritt. Es sind nur noch 3 Stunden. Ich laufe durch.

10 Uhr, geschafft!

Über 100 Kilometer – das war es wert

Meine Laufuhr zeigt 112 Kilometer, offiziell gemessen sind es 108 Kilometer.

Von 24 Stunden bin ich 19 Stunden gelaufen. Manchmal kommt es eben doch alles anders als man denkt.

Die Knochen tun weh, aber ich bin glücklich und dankbar. Meine Frage von gestern… ob es dies alles wert war… JA!!! Es gab einen ziemlich emotionalen Abschluss.

Ich ziehe meinen Hut vor allen, die sich dieser Herausforderung gestellt haben. Ganz besonders dem Läuferteam, die selbst von Mukoviszidose betroffen sind. Unglaublich, welche Leistungen ihr vollbringt.

Alles Gute für die Zukunft! Ein riesiges Dankeschön an Sabine und Heiko für die Orga und den ganzen Helferleins. Ohne Euch geht das nicht! Dicke Umarmung!

Das ist Antje – Ultraläuferin mit Großem Herz

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Antje Wensel – Läuferin mit starkem Willen

Ich bin Antje, 38 und komme aus Bischofswerda, einer Kleinstadt Nähe der sächsischen Landeshauptstadt Dresden und arbeite als Sachbearbeiterin bei einem Energieversorger.

2014 schnürte ich zum ersten Mal meine Laufschuhe, nachdem ich beim Marathon Deutsche Weinstraße nur als Zuschauerin die Euphorie und Freude eine Laufveranstaltung zu spüren bekam.

Getriggert durch dieses Erlebnis begann ich mit dem Laufen… 10 Kilometer, Halbmarathon, Marathon und merkte, dass mich langsame längere Strecken mehr begeistern als schnelle kurze.

Aufgrund meines damaligen Körpergewichts von weit über 100 Kilo konnte ich auch nicht wirklich schnell.

Das Laufen gab mir viel Energie und sollte nebenbei einen wirklich positiven Effekt haben, nämlich Gewicht zu verlieren. Das dachte ich jedenfalls! Leider legte ich mehr und mehr an Gewicht zu.

Nach unzähligen Arztbesuchen bekam ich 2017 dann endlich eine Diagnose. Lipödem! Eine krankhafte Fettverteilungsstörung an Armen, Oberschenkel, Hüfte, Gesäß und Unterschenkel. Es handelt sich dabei um eine chronische Krankheit, es hat nichts mit falschen Essverhalten oder mangelnder Disziplin zu tun.

Ich war gerade in den Vorbereitungen für meinen ersten Wüstenlauf in Namibia, 250 Kilometer in Eigenversorgung durch die Wüste. Ich dachte mir: „Jetzt erst recht.“ Ich nahm die Herausforderung an. Mit Erfolg.

Nach diesem Lauf unterzog ich mich mehreren Operationen, um meiner Krankheit den Kampf anzusagen. Ebenso mit Erfolg. Und so laufe ich, immer weiter…

Der Spendenlauf von Magdeburg – Auch etwas für dich?

Hier fand er statt – der Spendenlauf für Mukoviszidose-Patienten

Mukoviszidose ist eine Lungenkrankheit. In Deutschland wird diese Krankheit bei circa 8.000 Menschen diagnostiziert.

Obwohl sie unheilbar ist, ist sie immer besser behandelbar. Mittlerweile können Patienten sogar Sport treiben und laufen gehen. Beim 24h-Lauf in Magdeburg waren Betroffene und Laufbegeisterte gemeinsam auf der Strecke, um Spenden für den Mukoviszidose e.V. zu sammeln.

Warum nicht einfach mal mitmachen? Du musst ja nicht gleich 112 Kilometer wie Antje laufen. Einen anderen tollen Bericht zu diesem Lauf findest du hier:

https://www.in-go-go-go.de/logbuch

Und weißt du was? Es gibt noch mehr “Verrückte” wie Antje. schau dir mal die Ergebnisliste an:

https://my.raceresult.com/169834/results#1_18AC12

Und wenn du noch dieses Jahr etwas für Mukoviszidose-Patienten tun willst, dann kannst du dich beim virtuellen Spendenlauf anmelden. Eine Woche läufst du dabei und versuchst, so viele Kilometer wie möglich zu schaffen. Weitere Infos findest du hier:

https://www.muko.info/spendenhelfen/aktiv-werden/schutzengellauf

Hier ist noch ein tollen Video vom Lauf. Und wenn du gut aufpasst, entdeckst du Antje unter den Läufer:innen.

24h Spendenlauf in Magdeburg – Ultraläuferin Antje war dabei

HINTER DEN KULISSEN – So viele unerzählte Geschichten

Meine Freundin Sandy erzählte mir von Antje. Dabei war sie so begeistert, dass ich neugierig wurde. Ja, was hat sie denn gemacht, dass meine Sandy so aus dem Häuschen ist.

Und als ich die Story von Antje las, wurde es mir wieder bewusst: Alle Läufer:innen erleben wahnsinnige, aufregende und emotionale Geschichten bei ihren Läufen. Das müssen gar nicht immer diese krassen Sachen sein wie der Trailmarathon von Birgit Haller.

Ein Wahnsinns Marathon in Transsilvanien – im Wechselbad der Gefühle

Oder eben die Story von Antje. Oft sind es die kleinen Dinge, die unsere Läufe so besonders machen.

Wenn du auch eine Geschichte zu erzählen hast, dann schreib mir doch. Vielleicht ist es eine, die erzählt werden will. Weil sie andere inspiriert und begeistert. Weil sie Menschen dazu bringt, ebenfalls zu laufen.

Und denke nicht, die Geschichte ist zu klein. Es gibt keine zu kleinen Geschichte. Hab Mut. Auf Facebook lebt deine Geschichte 1 Woche. Hier bei mir vielleicht eine kleine Ewigkeit. Hier ist meine Kontakt-Seite

Du willst auch so laufen wie Antje?

Ok, vielleicht nicht ganz so weit. Aber der Erfolg beginnt bekanntlich mit dem ersten Schritt. Also, worauf wartest du? Hol dir meinen Laufplan für Anfänger und beginne. Es macht Spaß und ist gesund. Und wer weiß, vielleicht bist du irgendwann so eine krasse Ultraläuferin wie Antje. Nichts ist unmöglich.

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