Runners High im Seenland – Halbmarathon mit mega Spaß

Runners High im Seenland – Halbmarathon mit mega  Spaß
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  • Beitrag zuletzt geändert am:22. Juli 2021

Runners High im Seenland – beim Seenland100 in Großräschen. Mit einer enormen Bandbreite an Wettbewerben verteilt über das ganze Wochenende ist sicher für jeden etwas dabei. Ob beim 10er, beim (Halb)Marathon, Skaten oder Run and Bike – du hast die Qual der Wahl. Ich habe mich diesmal für den Halbmarathon entschieden und einen unvergesslichen Lauf genossen. Komm doch nächstes Jahr auch her, du wirst ebenfalls begeistert sein.

Warum sollte ich das tun?

Eigentlich habe ich gar nicht so richtig Lust. Meine Freundin stupst mich an: Klar, melde dich an, das wird richtig toll.

Och nee, 35 Euro für einen Lauf um den Großräschener See? Das kann ich doch jeden Tag haben. Kostenlos. Der Seenlauf100 findet direkt vor meiner Haustür statt. Und die Strecke sind wir so oder so ähnlich ja schon einige Male gelaufen.

Allerdings finden ja zurzeit fast keine Läufe statt. Und außerdem müsste ich nicht zeitig aufstehen und in 5 Minuten wäre ich am Start.

Ich überlege es mir anders und melde mich an. So langsam beginne ich mich auf den Lauf zu freuen. Ich werde immer aufgeregter: Wie wird es klappen? Ich bin doch schon ewig keinen Halben mehr gelaufen. Wie schnell kann ich es angehen? Werde ich vielleicht die Letzte sein?

Runners High im Seenland- Jetzt gehts los

Machs mit, machs nach…
machs besser – ein Foto mit Adi muss einfach sein

Es läuft. Es läuft sogar richtig gut. Ich habe keine Zielzeit im Kopf, keinen Plan, was ich heute erreichen will. Ich sauge einfach die Stimmung in mir auf. So viele Menschen auf einmal habe ich lange nicht gesehen.

Wir starten ziemlich weit hinten, vor uns ein bunter Haufen aus Läufern, Nordic Walkern und Radfahrern. Zeitgleich gehen heute alle drei Disziplinen auf die lange Runde um den Großräschener See. Das gibt zwangsläufig ein Durcheinander aus Läufern, Fahrrädern und weit ausholenden Stöcken. Ein Hund springt auch noch zwischen den Sportlern herum.

Ich muss aufpassen, nicht über die Stöcke zu stolpern. Auf leichten Sohlen tänzeln wir alle etwas umeinander. Huch, Achtung, Aufgepasst.

Dann geht es los. Gleich hinter dem Hafen kommt der erste Anstieg. Die ersten Läufer schnaufen schon. Dabei ist dieser Hügel ist nichts im Vergleich zu den Anstiegen, die uns noch erwarten.

Ich kenne die Strecke in- und auswendig, denn hier bin ich zu Hause – am Großräschener See.

Mit einer Pace von 5:30 gehe ich auf die ersten Kilometer. Gutes Tempo, gutes Gefühl – das könnte heute wirklich cool werden.

Laufen mit Sandalen – Ja, geht denn das?

Kann man damit laufen? Ich blicke irritiert zur Seite. Was meint der Typi neben mir? Er zeigt auf meine Sandalen. Ah, verstehe. Ich lache ihn an und rufe im Vorbeilaufen: Yo, scheint so, oder?

Kurz erzähle ich, dass ich schon viele lange Strecken mit meinen Sandalen unterwegs war und auch öfter komplett barfuß laufe.

Fragen und Sprüche zu meinen Sandalen erhalte ich heute mehrfach auf der Strecke. Mir ist gar nicht mehr bewusst, dass ich etwas anders beschuht bin. Sie ergeben aber immer netten Gesprächsstoff.

„Die läuft mit Flipflops”! Ein paar Radfahrer können es nicht fassen.

Man, das sind doch keine Flipflops! Aber ich habe jetzt keine Zeit mehr, den Irrtum aufzuklären. Denn es warten ja noch einige Kilometer auf mich.

Trinke (Wasser), wann immer du kannst

Die Runde um den See reicht nicht für einen Halben, deshalb müssen wir einen Abstecher zum Sedlitzer See machen. Kurz vorher sehe ich eine Getränkestelle. Ich überlege, ob ich etwas trinke. Ach nö, 100 Meter weiter ist ja die nächste. Ich denke, dass es taktisch sehr klug ist, erst die zweite Wasserstelle mitzunehmen. Wir müssen ja nur kurz bis zum Sedlitzer See und zurück, das ist höchstens ein Kilometer.

Ich bilde mir etwas auf meinen Heimvorteil ein, da ich die Strecke ja gut kenne. Aber wie meine Oma schon sagte: Hochmut kommt vor den Fall.

Wir müssen nämlich viel, viel weiter laufen. Ich ärgere mich. Denn jetzt habe ich richtig Durst, doch da muss ich jetzt durch. Das merke ich mir hoffentlich für immer und ewig: Trinke, wann immer du kannst.

Auf ihn mit Gebrüll – laufen im Tunnel ist ein extra Spaß

Zweimal durch den Tunnel – zweimal Spaß mit dem Echo

Zweimal laufen wir durch den Tunnel für den Überleiter zwischen den beiden Seen. Ich kann es nicht lassen, ich muss es tun. Ich schreie lauthals “Hey”. Das Echo schreit zurück. Hinter mir rufen auch Käufer, wir klatschen und pfeifen. Eigentlich sollte ich meine Puste sparen, aber das Kind in mir will Spaß.

Endlich bin ich an der Wasserstelle und kann meinen Durst stillen. Ah, das tut richtig gut. Den zweiten Becher kippe ich mir über Hals und Rücken. Oahh, ist das kalt. Aber auch herrlich erfrischend für die nächsten 5 Kilometer.

Noch führt die Strecke Richtung Senftenberg am Großräschener See lang. Und hier gibt es um diese Zeit noch schönen Schatten von den Bäumen. Denn so langsam wird klar: Das wird heute noch richtig heiß.

Bloß gut, dass der Start bereits 8:00 Uhr war. Es ist ca. 9:00 Uhr und die ersten 10 Kilometer habe ich in der Tasche. Ich bin innerlich so froh, ich könnte jubeln: Was für ein Glück hier dabei zu sein.

Runners High im Seenland – ein unbeschreibliches Gefühl

Und plötzlich überrollt mich ein irres Gefühl in einzelnen Wellen. Ich habe Gänsehaut am ganzen Körper. Mir ist heiß und kalt zugleich. Ich schließe meine Augen und koste diesen Moment voll aus. Ja, das muss es sein – das Runners High, von dem so viel erzählt wird.

Immer wieder werde ich von Läufern überholt. Jedes Mal bin ich kurz irritiert, mit welchen Affenzahn die von hinten an mich ran laufen. Und immer wieder schnalle ich es erst, wenn sie vorbei sind: Das sind die Run and Bike – Wettkämpfer. Immer wenn ein stärkerer Läufer übernimmt, bin ich fällig.

Auf der ganzen Strecke treffe ich immer wieder auf ein nettes Wettkampf-Pärchen. Mal sind die beiden vor mir, mal habe ich mich wieder herangekämpft. Wir freuen uns schon und halten Ausschau, wann wir wieder auf einer Höhe sind.

Die beiden treffen sich bereits seit 3 Jahren zu diesem Event und bestreiten den Run and Bike immer gemeinsam. Ein Wettkampf, um alte Freunde wiederzutreffen und zusammen Sport zu machen: Was für eine schöne Idee.

Runners High im Seenland- eine Challange für Flachlandtiroler

Runners High im Seenland - verschwundene Dörfer
Auf der Reppister Höhe -Verschwundene Dörfer

Jetzt kommt die erste harte Herausforderung: die Reppister Höhe. Oben sehe ich einen Rettungswagen stehen. Alles klar, hier werden Schwierigkeiten erwartet.

Während ich weiter dem Anstieg entgegenlaufe, beschließe ich: Heute läufst du alle Berge, egal was sonst noch ist. Egal wie die Zeit wird – die Berge will ich diesmal besiegen.

Nach der nächsten Wasserstelle geht es am Tele-Tubbie-Land entlang. Die Landschaft des ehemaligen Tagebaus erinnert mich jedes Mal an diese schreckliche Kindersendung, die unsere Kinder nur ganz selten sehen durften. Einfach, weil diese Sendung so schlecht war. Aber unsere Kinder liebten sie. Was waren wir für Rabeneltern…

Wir haben auch ein paar richtige Anstiege

Der letzte harte Anstieg lauert schon

Leider führt die Strecke nicht direkt am Wasser weiter. Als der Radweg gebaut wurde, hatten wir alle so gehofft, dass er am Ufer entlang führen würde. Man munkelt, dass das Geld oder das Material zu knapp waren.

Stattdessen geht es links ab und damit zum nächsten Anstieg. Bloß gut, dass ich meine persönliche Challenge habe und nicht gehen will. Ich quäle mich mit kleinen Schritten den Hang hoch. Mein Atem geht nur noch stoßweise. Von Genuss ist gerade gar nicht mehr die Rede. Nur noch: Weiter! Laufe! Du gehts nicht!

Runners High im Seenland- das wird ein harter weg
Gefühlt endlos und zäh

Puh, ich bin oben, mein Herz rast. Jetzt geht ab auf die letzte Strecke. 5 harte Kilometer liegen noch vor mir. Ein elendig langer Asphaltweg wartet vor mir in der prallen Sonne. Vor mir und hinter mir sind nur noch wenige Läufer, das Feld hat sich enorm gestreckt. Jetzt gilt es nur noch, einen Fuß vor den anderen zu setzen.

Dem Ziel so nah – das Radler nicht weit

Runners High im Seenland-rollen lassen
Jetzt nur noch rollen lassen

Endlich kann ich runter von der Platte und ab jetzt geht es wieder besser. Ah, die Strecke führt den Weg an der anderen Seite des Sees herunter. Suuuper, da kann ich mich rollen lassen. Vor mir sehe ich eine Läuferin, die ein bisschen mehr schwächelt als ich. Die schaffe ich noch!

Dann den wunderschönen Weg hinunter, mit Blick auf die in der Sonne gleißende Wasseroberfläche. Ja, alles ist wieder gut. Ich schmecke schon das alkoholfreie Radler auf meinen trockenen Lippen. Nach der Kurve empfängt mich ein starker Gegenwind. Ich halte dagegen, denke gar nicht mehr nach. Nur noch ins Ziel laufen, freuen, feiern, hinlegen.

Runners High im Seenland – Partyfeeling im Hafen von Großräschen

Runners High im Seenland - so sehen Sieger aus
Super Plätze – wir sind schon ein bisschen stolz

Am Hafen empfängt mich laute Musik, da ist auch schon der Zielbogen. Noch 50 Meter. Ich gebe noch einmal alles, bündle meine letzten Reserven und laufe mit einem riesigen Grinsen ins Ziel. Ja, ja, ja – ich habs geschafft. Vor Aufregung vergesse ich sogar, meine Uhr zu stoppen. War ich unter zwei Stunden? Eigentlich könnte es geklappt haben.

Dann bekomme ich von einem netten Mädel eine Medaille, schwer wie Blei. Warum müssen die immer so groß sein? Auf jeden Fall kann ich mich mit so einem Teil gut verteidigen. Und starke Halsmuskeln bekomme ich beim Tragen auch.

Meine Freunde warten schon auf mich. Die beiden Laufgranaten waren schon über 10 Minuten vor mir im Ziel. Wir drücken uns und freuen uns über den Erfolg der anderen.

Schließlich haben wir auch ordentlich abgeliefert. Einen 1.Platz in der Alterklassenwertung für Sandy (Zeit 01:47:35) und einen dritten Platz (Zeit 01:59:43) für mich.

Jetzt aber endlich das alkoholfreie Bier. Oh fein, es gibt verschiedene Sorten. Ich will alle probieren. Mit zwei Flaschen stehe ich da, lasse das süße, kalte Getränk durch meinen Hals fließen und genieße mit allen Sinnen. Wieder einmal an diesem Tag.

Das Leben kann so schön sein. Ich hole mir noch ein paar leckere Käsestullen, ein paar Tomaten und – na klar, noch ein Radler.

Ich treffe das nette Pärchen von der Strecke wieder. Wir quatschen noch ein bisschen, machen ein paar Fotos und versprechen uns: nächstes Jahr – selbe Stelle, selbe Welle.

Denn ein solches Laufevent in der Heimatstadt direkt vor der Haustür ist eben doch etwas ganz Besonderes.

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