Mein erster Marathon – Ich bin jetzt auch ein Finisher

Mein erster Marathon – Ich bin jetzt auch ein Finisher

Mein erster Marathon

Wenn ich an meinen ersten Marathon denke, bekomme ich jetzt noch Gänsehaut. Dabei lief es überhaupt nicht so wie geplant. Denn wir schreiben das Jahr 2020.

In diesem Jahr hatte ich EIN großes Ziel: einen Marathon laufen. Einige “Halbe” hatte ich schon in der Tasche. Natürlich könnte ich damit zufrieden sein und mich auf dieser Distanz weiter verbessern. Aber irgendwie wollen wir ja immer mehr, immer höher, immer weiter.

Die Qual der Wahl – wo will ich meinen ersten Marathon laufen

Welche der vielen Veranstaltungen deutschlandweit ist die richtige für das erste Mal. Will ich bei einem großen Stadtmarathon wie Berlin, Hamburg oder Köln mit tausenden Zuschauern mein Debüt geben? Oder bei einem kleinen, aber feinen Landschaftslauf mit wunderbaren Eindrücken in der Natur?

Ich fragte meine Freunde aus unserem Verein. Natürlich gab es wie bei allen Dingen im Leben die unterschiedlichsten Meinungen. Von “Bei deinem ersten Marathon musst du bei einem richtig großen Lauf starten. Hamburg ist sooo toll.” bis “Der erste Marathon findet am besten vor der Haustür statt, da bist du schnell zu Hause und kannst dich gut erholen.” war alles dabei.

Dann erinnerte mich an einen Flyer, den ich bei einem Wettkampf eingesteckt hatte. Der Himmelswegelauf in Nebra. Ich hatte mich in die Medaille verliebt, eine der schönsten, die ich je gesehen habe. Diese wollte ich mir mal irgendwann verdienen, aber nur mit einem Marathon.

Oder sollte ich beim Oberelbe-Marathon laufen? Hamburg klingt natürlich auch super. Während ich noch überlegte, hatte sich meine Freundin schon beim Himmelswegelauf angemeldet. Sie hat einfach Nägel mit Köpfen gemacht. Manchmal werden einem Entscheidungen ganz einfach abgenommen.

Also, Nebra, wir kommen.

Die Anmeldung war schnell gemacht. Einen passenden Trainingsplan hatte ich mir bei Lauftipps.ch erstellt und in meinen extra dafür gekauften Kalender übertragen.

Mein Training startete ich wie geplant und die ersten Wochen liefen super an.

Doch zu dieser Zeit schlich sich ein kleiner, fieser Virus in unser Leben und wirbelte so gut wie alles durcheinander.

Weiter machen oder den Kopf in den Sand stecken

Woche um Woche wurden die nächsten Laufveranstaltungen abgesagt. Erst dachten wir noch: “Ach komm, das kann nicht so lange dauern. Im April ist der Spuk sicher vorbei. Und bis Juni ist es noch weit. Unser Marathon wird sicher wie geplant stattfinden.”

Wenn du Gott zum Lachen bringen willst, erzähle ihm von deinen Plänen (Blaise Pascal)

Was hätte ich tun können? Einfach aufhören mit der Vorbereitung? Nein, so etwas kommt mir nicht in die Tüte. Ich glaube, ich bin doch recht stur. Ich wollte einen Marathon in diesem Jahr laufen, also laufe ich auch einen. Basta.

Natürlich ging es meinen Freunden genauso. Alle hatten ihre Pläne gemacht, bei einigen war bereits das ganze Jahr verplant, viele Läufe gebucht und bezahlt. Der Frust war dementsprechend groß.

Aber wir wären keine Läufer, wenn wir nicht den Kopf oben halten könnten. Und es entwickelte sich eine Idee: Wir machen das alleine. Damit begann eine wunderbare Geschichte in diesem Jahr. Wir trainierten die langen Läufe am Wochenende gemeinsam. Dabei wurden die Läufer von Familienmitgliedern auf dem Fahrrad begleitet.

Entweder starteten wir bei einem der Läufer zu Hause oder wir trafen uns an einem Ort, den wir alle noch nicht kannten und entdeckten gemeinsam die Umgebung. Für die Verpflegung war gesorgt und durch den bunten Mix aus Sportlern gab es immer genügend Gesprächsstoff auf den langen Strecken.

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren

Unser Marathon rückte immer näher und wurde konkreter. Starten wollten wir am gleichen Tag, an dem auch der echte Lauf geplant war, am 20. Juni. Wir überlegten, wo der Lauf stattfinden sollte. Die erste Idee, in Nebra zu starten, wurde schnell verworfen. Die Anfahrt war einfach zu weit. Es sollte in unserer Gegend sein, damit wir zeitig starten können. Denn im Juni kann es bereits richtig heiß werden.

Sandy hat dann eine super Strecke durch unser Lausitzer Seenland rausgesucht. Der Lauf sollte um den Senftenberger und den Geierswalder See führen. Eine perfekte Strecke von 42 Kilometern.

Eine Sache fand ich allerdings schade. Ich wollte doch diese tolle Medaille für meinen ersten Marathon. Und ich wollte sie von ganzem Herzen. Als die Absage vom Himmelswegelauf kam, dachte ich: Warum nicht fragen, ob wir die Medaillen bekommen könnten? Fragen kostet nichts. Ich hab hier mal meine E-Mail rausgekramt.

Frage nach den Medaillen

Die Antwort kam noch am gleichen Abend:

Die Antwort vom Himmelslauf

Ich war so überwältigt und freute mich auf die Medaillen. Und sie kamen wirklich. 4 wunderschöne Medaillen vom Himmelswegelauf. Ich war so happy.

Ein, zwei Wochen vor dem Termin überlegte ich: eigentlich wären T-Shirts super. Damit jeder erkennt, wir laufen gemeinsam einen richtigen Marathon. Also, nix wie ran und die T-Shirts in letzter Minute in Auftrag gegeben. Freitag waren sie fertig, Samstag war der Lauf. Puh, das war knapp.

Unser großer Tag – wir sind bereit

Das Marathon Team

Es war soweit. Unser großer Tag war gekommen. Es war regnerisch, doch wir waren guter Hoffnung, dass es besser werden würde. Wir trafen uns alle in Senftenberg. Die Stimmung war super und und auf los ging es los.

Alle 5 Kilometer gab es eine Pause zur Stärkung. Unsere Radfahrer hatten alles dabei: Wasser, Cola, Bananen, Nüsse…Pflaster.

Wir wollten keine Bestzeit. Daniel und ich liefen unseren ersten Marathon, unser Ziel war: ankommen. Und die anderen unterstützen uns von ganzem Herzen dabei.

Impressionen

Auf halber Strecke gab es eine Riesenüberraschung. Sandys Mama und Tochter erwarteten uns mit einen tollen Verpflegungsstand. Wir machten uns freudestrahlend über die Leckereien her. Jetzt war ich neidisch auf die Radfahrer, denn wir Läufer mussten weiter, um nicht auszukühlen. Unsere Radbegleitung konnte es sich dagegen so richtig gut gehen lassen.

Mein erster Marathon - Essen ist das wichtigste
Mein erster Marathon - Stärkung ist alles

Auf dem letzten Drittel liefen wir mit Musik, yeah, das ging gleich noch mal so gut. Doch ab Kilometer 35 merkten wir die Strecke, die uns in den Beinen steckte. Wir puschten uns immer wieder gegenseitig, mal war der eine besser drauf, mal der andere. Wir hatten ein Ziel und nur zusammen konnten wir das erreichen. Einen Besenwagen gab es nämlich nicht 😉

Die letzten 2 Kilometer waren für mich sehr hart, aber das Ziel war nah. Im Hafen von Senftenberg wurden wir herzlich von unseren Radbegleitern und Familienmitgliedern empfangen. Schöner konnte es bei einem (offiziellem) Marathon auch nicht sein.

Das Ziel erreicht

Der Höhepunkt – die Siegerehrung

Wir alle waren Sieger, das stand schon vorher fest. Deshalb hatte Sandy Medaillen für alle Sportler, Radfahrer wie Läufer, bestellt. Thomas überraschte uns mit tollen Urkunden.

Die Siegerehrung

Und ich hatte die wunderschönen Medaillen vom Himmelswegelauf und riesige Tafeln Schokolade für unser Radfahrerteam. Wir haben gestrahlt wie die Könige. Fotos wurden gemacht und endlich haben wir uns an das Wichtigste nach einem Marathon gemacht: Essen, Essen, Essen.

So sehen Sieger aus
Die Fahrradcrew

Es gab es ein opulentes Picknick, bei dem wir unsere Bäuche vollgeschlagen haben. Wir erzählten und lachten die ganze Zeit, denn wir hatten einen der besten Tage erlebt, die ein Läufer erleben konnte: Zusammen mit Freunden einen Marathon laufen.

Mein erster Marathon – eine Erinnerung für immer

Ein großes Geschenk hat mir meine Tochter ein paar Tage nach dem Marathon gemacht: Ein Video, dass unseren Lauf mit all seinen Emotionen wunderbar in Szene setzt. Ich habe mich riesig gefreut.

Schau mal rein, ich bin sicher, es gefällt dir genau wie mir.

Video von Julia Kuschan

Es war ein Traum. Und ich bin so dankbar, dass ich ein Teil davon sein konnte. Überleg mal, was man alles alleine auf die Beine stellen kann. Du brauchst kein Geld dafür. Alles was du brauchst, sind die richtigen Leute, verrückte Ideen und die Lust, diese Ideen dann auch durchzuziehen.

Die besten Freunde
  • Wir selbst können so viel erreichen.
  • Es braucht kein Geld für die tollsten Momente im Leben.
  • Freunde und Familie sind unbezahlbar.

Und wo ein Wille ist, ist auch ein Lauf

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Dieser Beitrag hat 3 Kommentare

  1. Liane

    Liebe Andrea,
    Wow! Was für eine tolle Geschichte! Ich habe zwar noch keinen Wunsch auf Marathon im Hinterkopf, doch aber den Wunsch mal einen 10kmLauf zu schaffen und vielleicht auch eine Urkunde oder Medaille zu erhaschen. Das wäre so toll! Ich bin richtig “infiziert” worden durch Deine schöne Geschichte! Sehr mitreißend!
    Sportliche Grüße
    Liane

  2. Liane

    Liebe Andrea,
    Wow! Was für eine tolle Geschichte! Ich habe zwar noch keinen Wunsch auf Marathon im Hinterkopf, doch aber den Wunsch mal einen 10kmLauf zu schaffen und vielleicht auch eine Urkunde oder Medaille zu erhaschen. Das wäre so toll! Ich bin richtig “infiziert” worden durch Deine schöne Geschichte! Sehr mitreißend!
    Sportliche Grüße
    Liane

    1. Andrea Kuschan

      Liebe Liane,

      ich freue mich sehr über deinen tollen Kommentar. Und ich weiß, dass du einen 10 Kilometerlauf schaffen wirst. Du könntest den sicher auch schon jetzt schaffen. Schade, dass es jetzt keine Möglichkeiten dazu gibt. Aber dadurch hast du auch die Chance, für deinen großen Tag zu trainieren.
      Du wirst sehen, es wird großartig.

      Viele ganz liebe Grüße
      Deine Andrea