Froschlauf Biehla – Mit Frosch im Hals und ganz viel Spaß

Mit Frosch im Hals beim Froschlauf
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  • Beitrag zuletzt geändert am:2. Juli 2021

Guten Morgen. Will ich sagen. Was stattdessen herauskommt ist ein Krächzen. Ich verstumme. “Andrea? Was ist los?”. Ja, keine Ahnung, was los ist. Als ich aufstand, war mein Mann schon weg. Ich bin im Home-Office und meine Chefin ist der erste Mensch, mit dem ich spreche. Ich versuche wieder, etwas zu sagen. Es bleibt beim Krächzen.

Das hat mir gerade noch gefehlt. Morgen will ich doch endlich mal wieder bei einem Wettkampf starten. Und zwar beim Froschlauf in Biehla, einem meiner Lieblingsläufe. Krank werden passt deshalb gerade gar nicht in meine Pläne.

Tapfer quäle ich mich durch den Tag. Eine wichtige Schulung steht heute auf der Tagesordnung. Nach der Mittagspause schaffe ich es gerade noch, den Kopf nicht auf die Tischplatte sinken zu lassen. Gegen 17: 00 Uhr habe ich es endlich überstanden. Ich bin sowas von fertig.

Wenn das morgen nicht besser ist, kann ich den Lauf streichen. Meine Nacht ist unruhig, um ein Uhr stehe ich sogar auf und schreibe ein bisschen an meinem nächsten Text. Dann wieder etwas hinlegen. Exakt 4:44 Uhr bin ich wieder wach. Ich fühle mich trotz wenig Schlaf gar nicht schlecht. Nur die Stimme, die ist immer noch nicht da.

Da ich anscheinend zu einer extrem braven Bürgerin erzogen wurde, melde ich mich nicht krank. Denn bei mir gilt das Motto: Wer arbeiten kann, der kann darf auch laufen.

Und ich werde heute laufen. Mit den Fröschen um die Wette…

Eine gute Laufzeit kann ich mir jedoch abschminken. Das wichtigste aber ist: Ich bin dabei.

Der Froschlauf – wieder einmal anders und trotzdem schön

Merkwürdig fühlen sie sich an, die Laufveranstaltungen in dieser andersartigen Zeit. Als wir in Biehla ankommen, sehen wir vereinzelt ein paar Läufer. Ah, das sind Wettkämpfer, die bereits auf der Strecke sind.

Jeder Veranstalter muss sich ein Hygienekonzept überlegen. Beim Froschlauf sollten wir vorher angeben, zu welcher Zeit wir laufen wollen. Alle 5 Minuten starten heute bis zu 5 Läufer in den Abend.

Auf dem Sportgelände tummeln sich ein paar Sportler und etliche Zuschauer, die sich das “Großereignis” nicht entgehen lassen wollen. Es herrscht eine etwas gedämpfte, aber entspannte Atmosphäre. Gerade starten wieder zwei Läufer. Wir klatschen ein bisschen, um sie anzufeuern.

Es gibt diesmal sogar Medaillen. Und der Froschmann ist auch da und versucht, witzig mit den Armen zu wackeln. Ein Foto mit ihm wollen wir unbedingt haben. Auch wenn ich den Riesenfrosch fast ein bisschen gruselig finde.

Froschlauf Biehla – Sei kein Frosch und Starte selbst

Wir hatten uns unsere Startzeit nicht genau gemerkt. “Ihr könnt gleich 19:50 Uhr laufen, da startet nur ein junger Mann” Ja, klar, warum nicht. Wir schlendern zum Start, quatschen und gucken Leute.

Hallo, da ist gerade wieder einer losgelaufen? Wir schauen auf unsere Uhren. War das unser junger Mann. Das heißt, wir starten? Ja, anscheinend. Ok, los. Nix wie hinterher. Wir feuern uns selber an und lachend geht es auf die Strecke.

Sandy zieht ab, sie will es heute wissen. Anne und ich lassen es etwas ruhiger angehen. Und kommen dadurch in den vollen Genuss dieser sagenhaften Landschaft. Nachdem es den ganzen Tag geregnet hat, zeigt sich jetzt am Abend die Sonne. Ein Klima wie im Regenwald erwartet uns. Dampfend und warm steht die Luft. Dementsprechend tropft unser Schweiß.

Auf weichen, regennassen Waldwegen klatschen unsere Laufschritte. Es geht vorbei an glitzernden Teichen. Die Luft ist erfüllt von Vogelgezwitscher, dem Geruch nach Regen und nassem Gras. Wir hören Tierstimmen aus dem Wald, die wir nicht zuordnen können. Waren das Kraniche? Oder Singschwäne? Ich habe keine Ahnung.

Ein Foto muß sein – es geht ja um nichts

Mit Frosch im Hals beim Froschlauf
Zusammen laufen und die Landschaft genießen

Auf einem großen Teich sehen wir über zwanzig Schwäne. Ein Foto können wir machen, oder? Na klar. Während wir uns in die richtige Pose bringen, erreichen uns die nächsten Läufer. Wir tauschen ein paar “lustige” Läufersprüche aus und lassen die beiden Läufer aus Dresden ziehen. So weit wollen wir ja heute gar nicht.

Weiter gehts. Schon ist der Wald zu Ende und wird von weiten Wiesen und sanften Hügeln abgelöst. Ich erinnere mich genau, wie ich mich hier vor zwei Jahren beim Laufen gequält habe. Da wollte ich ja auch noch etwas reißen.

Wie schön ist es dagegen, so ganz ohne den hausgemachten Druck zu laufen. Mit schnellem Tempo, jedoch nicht im Grenzbereich der eigenen Leistungsfähigkeit.

Laufen, atmen, den Körper spüren

Im Gleichklang schlagen unsere Laufschritte. Unser Atem fließt ruhig und kraftvoll. Ich liebe es, in dieser Art und Weise mit einem anderen Menschen zu laufen. Dann fühlt sich alles so richtig an. Da braucht es keine Worte. Nur laufen, atmen, den Körper spüren.

Kilometer um Kilometer traben wir durch die abwechslungsreiche Landschaft. Die Dämmerung senkt sich fast unbemerkt herab. Wir sind wieder im Wald. Jetzt wechselt der Untergrund. Statt auf weichen Waldwegen sind wir auf einer Asphaltstrecke unterwegs. Die Anstrengung setzt schlagartig ein. Dabei fühlt es sich an, als ob jemand meine Beine festhält.

Zum Glück ist es nicht mehr weit. Ein letztes Mal bergauf. Die ersten Häuser von Biehla sind bereits zu sehen. Wir sind auf der Zielgeraden. Oh, wie vermisse ich jetzt die Fackelträger.

Wehmütig denke ich an meinen ersten Lauf hier in Biehla zurück. Erschöpft erreichte ich damals in der Dunkelheit die Bergkuppe. Völlig überraschend bot sich mir ein spektakuläres Bild. Unzählige Kinder mit Fackeln säumten den Weg von hier oben bis hinunter ins Dorf.

Ich flog förmlich den Weg hinunter und lachte. Alle Anstrengung war vergessen, stattdessen Gänsehaut und ein unendliches Gefühl von Glück.

Auf gehts – holen wir uns die Medaillen

Ach egal, dann denken wir uns einfach die Fackelträger. Komm Anne, die Medaillen warten schon. Ein paar Knirpse stehen am Sportplatz und klatschen. Wir freuen uns und klatschen zurück.

Vorbei an entspannten Zuschauern geht es freudestrahlend ins Ziel. Da sind sie, unsere wohlverdienten Medaillen. Dazu gibt es einen Becher mit kalten, prickelndem Wasser und ein leckeres Päckchen Traubenzucker.

Sandy erwartet uns bereits: Na, wie war’s?

Es war super, wir haben gut durchgehalten… Sandy schaut mich ganz verblüfft an: Hey, deine Stimme! Ich stutze. Was meinst du? Na deine Stimme, die ist wieder in Ordnung. Jetzt merke ich es auch. Das Kratzen ist weg. Laufen ist eben wirklich gesund. Im Auto wartet noch eine kleine Überraschung: Käsestullen und saure Gurken. Mh, sooo lecker. Schnell schlüpfen wir in trockene Klamotten, geduscht oder gebadet wird zu Hause.

Angenehm erschöpft und den Körper voll mit Glückshormonen steigen wir ins Auto. Wir sind uns einig:

Der Froschlauf in Biehla lohnt sich jedes Jahr.

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