Erste Hilfe Kurs – Kannst du im Notfall helfen?

Erste Hilfe Kurs - kannst du im Notfall helfen
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  • Beitrag zuletzt geändert am:12. Juli 2021

Hast du einen Erste Hilfe Kurs gemacht? Wenn du stolzer Besitzer einer Fahrerlaubnis bist, dann musst du ja einen gemacht haben. Aber wie lange ist das her? Kannst du dich an alles erinnern? Und was noch viel wichtiger ist: Fühlst du dich für den Ernstfall vorbereitet?

Es kann jederzeit passieren

Ich bin auf dem Weg zur Arbeit. Im Radio läuft mein aktueller Lieblingssong. Ich habe heute richtig gute Laune, denn es ist Freitag und das Wochenende steht vor der Tür. Ich singe lauthals mit, schief und krumm. Weil ich es kann. Die Straße schlängelt sich etwas. Da, am Straßenrand steht ein Auto.

Mh, komisch, hier auf der Landstraße? Ich fahre etwas langsamer. Und beginne, nervös zu werden. Ist da etwas passiert? Ich nähere mich dem PKW und fahre vorsichtig vorbei. Oh je, da ist wirklich was passiert, die Fahrerin sitzt mit geschlossenen Augen im Wagen.

Was mache ich nur? Während ich fieberhaft nachdenke, rollt mein Auto weiter. Nach 500 Meter werde ich endlich klarer und suche einen Platz zum Wenden. Ich nähere mich der Unfallstelle von der anderen Straßenseite und stelle mein Auto ab. Und versuche, ruhig zu atmen.

Und nun? Wie war das noch mal? Notruf wählen? Oder erstmal gucken gehen, wie es der Frau geht? Ach nee, das Warndreieck, das muss ich zuerst aufstellen. Glaube ich?

den Erste Hilfe Kurs macht man doch nur für den Führerschein

Ich kenne kaum jemanden, der einen Ersten Hilfe Kurs ein zweites Mal oder sogar öfter belegt. Klar, Rettungssanitäter werden das sicher machen. Und natürlich Leute aus aus anderen Berufsgruppen. Aber der Durchschnittsbürger macht seinen Erste Hilfe Kurs, wenn er den Führerschein erwirbt.


Und die Menschen, die keinen Schein haben, machen das vielleicht nie. Dabei wäre es doch extrem vernünftig, wenn jeder Erwachsene so einen Kurs belegt. Und immer wieder auffrischt. Ich finde, das sollte zur Pflicht von allen Bürgern werden.


Denn selbst wenn du so einen Kurs absolviert hast: Wie lange wird dieses Wissen wohl abrufbar sein? Dazu kommt das Alter der Führerscheinneulinge. Ich war damals 18 Jahre alt. Der Kurs gehörte halt irgendwie dazu, also habe ich ihn gemacht. Ich kann mich an fast nichts erinnern. Ok, die stabile Seitenlage. Aber das war es schon fast.


Und das ist wirklich schlimm. Denn ich weiß nicht wirklich, was ich im Ernstfall tun muss oder tun kann.

Mein Erste Hilfe kurs – alles auf Anfang

Ich bin gerade dabei, meinen ersten Trainerschein zu erwerben. Den Grundkurs habe ich im Mai endlich abschließen können. Um aber die Lizenz zu bekommen, muss ich einen absolvierten Erste-Hilfe-Lehrgang nachweisen. Da das Zertifikat nicht älter als zwei Jahre sein darf, steht für mich mein zweiter Erste-Hilfe-Kurs auf dem Plan.

Diese Woche ist es so weit. Am Mittwoch und am Freitagabend werde ich mal schauen, ob nicht doch noch etwas hängen geblieben ist.

Ich bin gespannt und auch ein bisschen aufgeregt. Wie wird das sein, so als altes Huhn zwischen all den jungschen Kücken zu sitzen? Wäre schon peinlich, wenn ich so gar nichts wüsste. Und dann die Mund-zu-Mund-Beatmung. Wie war das damals? Und wie wird das heute geübt?

Pünktlich 2 Minuten zu spät betrete ich den kleinen Raum im Hinterzimmer der Fahrschule. Die Tische sind fast alle besetzt, ich muss ganz vorne am Streberplatz sitzen. Aber aus dem Alter, wo ich mich IMMER auf die vorletzte Bank gesetzt habe, bin ich definitiv raus.

Das ist übrigens ein Gefühl, das ich in den letzten Jahren immer mehr zu schätzen weiß. Dieses Gefühl: “Hey, hier bin ich und es ist mir egal, wie ich auf euch wirke.” Kann man auch Selbstbewusstsein nennen. Ich fühle mich jedenfalls heute tausendmal besser in diesem Kurs als mit 18 Jahren.

Unser Dozent ist Ingo, 52 Jahre alt und seit über 20 Jahren in der Ausbildung von Ersthelfern aktiv. Er hat als Rettungssanitäter gearbeitet und ist ehrenamtlich bei den Johannitern für die Sicherheit der Menschen im Einsatz. Er weiß also, wovon er spricht.

Nach der kurzen Vorstellung geht es auch gleich los. Ich habe trockene Theorie befürchtet, aber Ingo gestaltet die Stunden so lebendig, dass ich nicht einmal ansatzweise Langeweile bekomme. Mal erzählt er eine berührende Geschichte aus seinen Einsätzen als Rettungssanitäter. Dann wechselt er wieder zu seinen Folien. Anstatt diese dröge vorzulesen, fragt er uns zu unseren Ideen.

Echt cool, wie er es schafft, uns mitzunehmen. Selbst die schüchternsten trauen sich etwas zu sagen. Dann geht es raus. Befreiung eines Verletzten aus einem PKW steht auf dem Programm.

Unfall auf der Landstraße – was nun?

Da ist es wieder, mein Horrorszenario. Als Erstes bekommt ein junges Mädchen ein Warndreieck in die Hand gedrückt. Stell das mal auf. Die Ärmste quält sich, dieses doofe Dreieck aufzuklappen. Das ist eine Lektion von Ingo an uns: Was denkt ihr, wenn ihr bei einem Unfall seid? Und ihr habt noch nie ein Warndreieck aufgestellt.

Die sind je nach Bauweise nämlich ganz unterschiedlich aufzubauen. Meine Gedanken rattern: Warum hat sich hier noch niemand etwas Einfaches überlegt. So was wie ein Wurfzelt. Aufmachen und aufstellen.

Ich notiere mir Aufgaben in meinem Kopf:

  • Recherche, was es für Warndreiecke gibt
  • zu Hause Warndreieck aufbauen

Dann geht es weiter. Ingo gibt uns gefühlt Tausend kleine Tipps für das richtige Vorgehen.

Wie näherst du dich am besten einem Fahrzeug, das am Straßenrand steht?

Wo stellst du dein Auto am sichersten ab?

Was machst du als Erstes?

Darfst du den Verletzten aus dem Auto holen, auch wenn er dagegen protestiert? Was darfst du nach gültigem Recht tun? (Auflösung unter die 10 besten Tipps)

Ich bin voll dabei und nehme die Tipps und Hinweise bewusst auf. Im Gegensatz zu meinem ersten Kurs ist mir klar, wie wichtig diese Punkte sind. Wie schnell kann es passieren, dass ich in solch eine Situation gerate. Und dann will ich vorbereitet sein.

Im zweiten Praxisteil üben wir die stabile Seitenlage. Ein junger Mann, ich nenn ihn hier mal Max, erklärt sich bereit, den Verletzten zu spielen. Ingo zeigt uns die richtigen Schritte für die stabile Seitenlage.

Und er wiederholt, wie wichtig es ist, den Verletzten zuzudecken. Und warum wir bei der verletzen Person bleiben sollen, um Trost zu spenden und zu beruhigen. Denn wie du auf einen Menschen in Not eingehst und psychologischen Beistand leistest, kann den Ausgang des Unfalls extrem beeinflussen. Wenn ich einmal einen Unfall haben sollte, wünschte ich mir so einen Ersthelfer.

Dann sind wir dran. Früher hätte ich mich NIEMALS freiwillig gemeldet, heute will ich alles selber ausprobieren. Und ich merke: Das macht einen riesigen Unterschied. Zaghaft versuche ich den netten Jungen in die stabile Seitenlage zu bringen. Es fühlt sich schon komisch an, einen fremden Menschen anzufassen.

Mund zu Nase, Mund zu Mund? Zum Glück ist es nur eine Puppe

Das Highlight des heutigen Abends ist die Wiederbelebung einer Puppe. Ingo zeigt uns, wie es genau geht. Welche Faustregeln gibt es, um den richtigen Punkt für die Herzdruckmassage zu finden. Wie oft sollen wir drücken (30 Mal) und wie oft beatmen(2 Mal).

Wer will es probieren? Ich zögere? Wie jetzt, mit Beatmung? Ich spüre heftigen inneren Widerstand. Bilder springen wild in meinem Kopf: Ich, kniend neben der Puppe? Mit meinem Mund auf dem Mund der Puppe? Oder sogar über der Nase? Das finde ich ja fast noch schlimmer! Und ringsum stehen die anderen Teilnehmer.

Zum Glück ist da wieder unser mutiger Max. Ingo reißt der Puppe mit einem Ruck das Gesicht herunter. Und zieht ihr eine Plastiktüte aus dem Kopf. Woah, da hätte ich jetzt aber eine Vorwarnung gebraucht. Die Puppe bekommt eine komplett neue Gesichtsausstattung.

Während Max versucht, die Puppe wiederzubeleben, entscheide ich mich: Ich mach das auch. Ich ignoriere meine inneren Widerstände und melde mich. Jetzt also Herzdruckmassage und na klar, die Beatmung. Hier ist es egal, ob Mund zu Mund oder Mund zu Nase, beides geht.

Du kannst nicht bestraft werden, wenn du nicht beatmen willst. Aber der Verletzte hat dann auch kaum eine Chance, zu überleben. Es könnte jemand aus deiner Familie sein. Denk mal drüber nach. Falls du das zu eklig findest, schau mal bei meinen 10 besten Tipps.

Obwohl Mund zu Nase einfacher sein soll, finde ich Mund zu Mund bei weitem machbarer für mich. Wichtig ist, den Kopf der verletzten Person nach hinten zu überstrecken. Und entweder den Mund oder die Nase zuzuhalten.

Anscheinend habe ich sehr gute Lungen, ich pusste viel zu kräftig. Der Anzeiger schlägt voll aus. Gut zu wissen, das ich schaffen kann.

Wieder zur Druckmassage. Ein lauter Knacks. Jetzt wären die Rippen gebrochen. Sorry, das wollte ich nicht. Ingo beruhigt: Selbst wenn das passiert, die Wiederbelebung ist so wichtig, das gebrochene Rippen zweitrangig sind.

Rettung eines Motoradfahrers

Zum Schluss üben wir noch die Rettung eines Motorradfahrers. Soll man den Helm abnehmen? Ja, wenn der Verletzte nicht dagegen protestiert. Und auch hier wieder die Beruhigung. Der Kopf ist nicht kaputt, denn davor schützt ja der Helm. Wir üben die einzelnen Schritte. Ich halte Hals und Kopf von Max während Ingo vorsichtig den Helm abzieht.

Max will den Führerschein fürs Motorrad machen. Sobald er endlich in der stabilen Seitenlage liegt, klopfe ich ihm leicht auf die Schulter:

Fahr bitte vorsichtig, so etwas will ich bei dir nicht in echt machen.

erste Hilfe Kurs – 8 wertvolle Tipps, die du vielleicht noch nicht kennst

Ich habe hier eine Liste mit wertvollen Tipps aus meinem ersten Lehrgangstag. Diese lässt sich mit großer Sicherheit erweitern.

  1. Beatmungsmaske
    • Du denkst, du kannst einen fremden Menschen nicht beatmen? Vielleicht ekelst du dich beim Gedanken daran oder machst dir Sorgen um deine Gesundheit. Das geht fast allen Menschen so. Aber deine Beatmung kann den Unterschied ausmachen, ob die verletzte Person überleben wird oder sterben muss.
    • Um darauf vorbereitet zu sein, hole dir diese praktischen Masken. Die passt an jedes Schlüsselbund und an jede Hand- oder Sporttasche. Verpackt in einer kleinen Tasche und mit zusätzlichen Einweghandschuhen bist du auf den Ernstfall vorbereitet.
    • Extra Tipp – super als kleines Geschenk oder Mitbringsel geeignet.
  2. Nothammer plus Gurtschneider
    • Wenn du so einen Nothammer (Werbung*) im Auto hast, kann das Leben retten. Dein eigenes Leben oder das von anderen. Ich habe mir das Zweier-Set bestellt – für jede Fahrertür einen.
  3. Nutze die Rettungsdecke
    • Wenn ein Mensch auf dem Boden liegt, kühlt er sehr schnell aus. Eine einfache Maßnahme wie das Zudecken der verletzten Person kann über Leben und Tod entscheiden. Denke dran: Auch wenn du vor Aufregung schwitzt, dem Verletzten ist es wahrscheinlich verdammt kalt.
  4. Baue dein Warndreieck probehalber auf
    • Jedes Warndreieck wird ein bisschen anders aufgebaut. Bei einem Notfall hast du sicher nicht die Nerven, ewig beim Aufbau herumzufummeln
  5. Notfall-Anleitung fürs Auto – Besorge dir eine komplette Notfall-Anleitung oder diese Kurzanleitung und drucke sie aus. Dann lies sie dir einmal in Ruhe durch und lege sie griffbereit ins Auto (eventuell laminieren oder in Schutzfolien verpacken).
  6. Der Heimlichhandgriff – eine Person hat einen Gegenstand verschluckt und dieser hängt fest? Hier kann der Heimlichhandgriff bzw. das Heimlichmanöver helfen. Dieser Griff ist nicht ungefährlich und war deshalb lange Zeit verboten. Da aber die Ersthilfe so wichtig ist, darf der Griff seit 2010 wieder angewandt werden.
  7. Was darfst du tun, was musst du tun
    • Helfen musst du, das steht im Strafgesetzbuch. Solange du dich nicht selbst gefährdest, musst du JEDEM Menschen helfen. Auch, wenn er nur betrunken ist.
    • Einen Verletzten aus dem Auto befreien, wenn er es nicht will? Nein, das darfst du nicht. Wenn er bewusstlos ist, dann entscheidest du je nach Situation.
  8. Helm beim Motorradfahrer entfernen: Solange der oder die Verletzte nicht nein sagt, muss der Helm ab. Dadurch bist du in der Lage, weitere Hilfe zu leisten.

Super Helfer für jeden

Kanntest du diese Beatmungsmasken für den Schlüsselbund? Ich bis letzte Woche auch nicht. Deshalb habe ich sie dir hier nochmal verlinkt. Die gibt es auch in vielen Farben. Plus das praktische Set mit Notfallhammer und Gurtschneider.

Beatmungsmasken schwarz (Werbung*)
Beatmungsmaske bunt (Werbung*)
Notfallhammer plus Gurtschneider (Werbung*)

Erste Hilfe Kurs – Es hat sich gelohnt

Ich habe in den zwei Tagen richtig viel gelernt. Die Beatmungsmasken und der Notfallhammer sind bestellt, die Anleitung ausgedruckt im Auto. Jetzt schau ich mir unser Warndreieck noch einmal an und baue es auf.

Auf den Ernstfall fühle mich jetzt viel besser vorbereitet. Klar, so richtig kann man das gar nicht in der kurzen Zeit üben. Und die Realität sieht immer anders aus. Aber das, was ich tun kann, habe ich gemacht. Schönes Gefühl übrigens.

Wie sieht es bei dir aus? Was denkst du zu dem Thema? Ist es Quatsch, den Erste Hilfe Kurs zu wiederholen? Und würdest du im Ernstfall einen Menschen beatmen? Schreib mir deine Gedanken unten in das Kommentarfeld. Ich freu mich darauf.

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