Erfolgreich sein – Was beim Laufen wirklich zählt

Erfolgreich sein - was beim Laufen wirklich zählt
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  • Beitrag zuletzt geändert am:16. September 2021

Erfolgreich sein – was bedeutet das für dich als Läufer:in? Müssen wir immer schneller oder weiter laufen? Besser als die anderen sein? Geht das überhaupt? Und müssten wir uns dafür nicht immer wieder selbst übertreffen? Ganz nach dem Motto “Beat yesterday”. Gibt es da nicht noch etwas anderes, das größer und wichtiger ist? Dieser Artikel entstand bei einer Blognacht mit der tollen Anna Koschinski.

Samstagmorgen, so gegen 9:00 Uhr. Unser Auto, vollgeladen mit noch müden Läuferinnen, bunten Trinkflaschen, Bananen und riesigen Sporttaschen erreicht den Wettkampfort. Wir schnappen uns eine der letzten freien Parklücken vor dem Sportplatz. Oh je, es scheinen diesmal eine Menge Starter da zu sein.

Für mich ist es nicht der erste Wettkampf und trotzdem bin immer noch so aufgeregt wie beim ersten Mal. Ich halte Ausschau nach meiner Konkurrenz. Sind die schnellen Granaten aus meiner Altersklasse da? Oder habe ich heute eine kleine Chance auf einen Platz auf dem Treppchen?

Hach, Mist. Die flinke Susanne ist natürlich wieder am Start. War ja klar. Na gut, erste will ich eh nicht werden. Aber wenn Antje kommt, wird es hart. Denn wir sind ungefähr gleich stark. Dementsprechend kämpfen wir bei jedem Wettkampf verbissen gegeneinander.

Oh nein, da ist sie. Ein verkniffenes Lächeln und ein verkrampftes “Hallo, wie gehts”. Ach, ich beginne den Lauf schon jetzt zu hassen.

Denn ganz ehrlich – ich mag es überhaupt nicht, mich im Wettkampf an anderen zu messen. Ich meine dabei den direkten Vergleich. Du magst jetzt einwenden: “Na, das ist aber so im Sport.” Mag sein – aber ich kann dieses Gefühl einfach nicht leiden. Punkt.

Warum Laufe ich Eigentlich

Das ist jetzt ein paar Jahre her und seitdem ist einiges passiert. Die letzten Monate haben auch noch einmal viel verändert. Meinen letzten Wettkampf bin ich vor über einem Jahr gelaufen.

Ob ich sie vermisse, die Jagd nach den Punkten? Wenn ich so darüber nachdenke: Nein, kein bisschen.

Was ich hingegen vermisse, sind die Laufveranstaltungen an sich. Die anderen Läufer:innen, die Stimmung am Start, der Kampf mit mir selbst und natürlich dieses unbeschreibliche Gefühl im Ziel zu sein. Es mal wieder geschafft zu haben.

Aber der Grund für mich zu laufen sind die Wettkämpfe nicht. Und sie sind auch nichts, woran ich meinen Erfolg messe.

Ich laufe, weil ich

  • gesund bleiben will
  • nach einem langen Tag im Büro raus in die Natur will
  • mit Freunden eine gute Zeit zu haben möchte
  • auch mal meine Grenzen erfahren will
  • gerne nasche

Und aus tausend anderen Gründen.

Erfolgreich sein – als Läufer:in

Wenn die Laufzeiten nicht wirklich zählen, was bedeutet dann Erfolg beim Laufen? Ich denke, allein die Tatsache, das wir laufen, macht uns erfolgreich.

Es ist ja nicht immer leicht, sich nach einem anstrengenden Tag noch einmal aufzuraffen und Laufen zu gehen. Oder bei Regen, Kälte oder Hitze trotzdem die Laufschuhe zu schnüren. Schon allein diesen Willen aufzubringen ist ein extrem großer Erfolg. Vor allem im Kampf gegen deinen inneren Schweinhund.

Laufen bis ins hohe Alter – das wäre mein größter persönlicher Erfolg. Wenn ich es mit über 70 noch schaffe, zusammen mit meinen Lauffreunden auf die Strecke zu gehen, dann wäre das der größte Erfolg meines Läuferlebens.

Erfolgreich sein- älter werden und laufen
Laufen bis ins hohe Alter – der größte Erfolg

Erfolgreich sein heißt Ziele erreichen

Was genau bedeutet eigentlich Erfolg? Bei Wikipedia finde ich die folgende Definition:

Um Erfolg …handelt es sich, wenn Personen oder Personenvereinigungen die gesetzten Ziele erreichen

Wikipedia

Der Ausgangspunkt für Erfolg sind also gesetzte Ziele. Das können unsere Eigenen sein oder Ziele, die andere von uns wollen. Zum Beispiel will dein Chef oder deine Chefin mit Sicherheit, dass du so fleißig wie möglich bist und die Kasse klingeln lässt. Oder dass du deine Arbeitsaufgaben erfüllst, am besten noch überfüllst. Hier ist es nicht immer einfach, motiviert zu bleiben.

Der Grund: Diese Art von Ziel ist extrinsisch (von außen her) motiviert. Sicher wollen wir auch diese Ziele erfüllen, denn davon hängt ja oft sehr viel ab. Schließlich entscheidet der Arbeitgeber, ob du mehr Geld bekommst oder die Karriereleiter hochkraxeln darfst.

Bei unseren sportlichen Aktivitäten sind wir dagegen viel besser dran. Hier haben wir die Möglichkeit, uns eigene, intrinsische (von innen her) Ziele zu setzen. Das sind die Ziele, die wir aus unserem eigenen Willen erreichen wollen.

Die Motivation innerer Ziele ist weitaus stärker und erfolgversprechender. Wichtig dabei: Sie müssen wirklich aus deinem eigenen Antrieb stammen.

Erfolgreich sein – was ist dein nächstes Ziel

Es ist also sehr wichtig, sich selbst Ziele zu setzen. Welche Ziele könnten das sein? Du könntest die Teilnahme an deinem ersten Wettkampf über 5 Kilometer in Angriff nehmen. Oder versuchen, 10 Kilometer durchzulaufen.

Vielleicht willst du aber auch deinen viel zu hohen Blutdruck endlich in den Griff bekommen. Oder einfach nur dein Gewicht auf einem gesunden Wert halten.

Mit einem Plan wird es einfacher, dein Ziel zu erreichen. Es gibt unzählige Laufpläne im Internet. Bist du Laufanfänger? Dann habe ich einen ganz tollen Laufplan für den Laufeinstieg.

Bist du schon über den ersten Step hinaus? Willst jetzt aber mehr? Hier habe ich weitere Tipps und Pläne für dich. Du wilst in den nächsten Monaten einen (Halb)marathon laufen und bist noch auf der Suche nach guten Laufplänen? Auf der Webseite lauftipps findest du sehr gute, kostenfreie Pläne. Nach diesen Laufplänen habe ich schon oft trainiert und meine Ziele sehr gut erreicht.

Und wenn du es geschafft hast, kannst du zu Recht sehr stolz auf dich sein.

Ich finde, dann kannst du dir auch etwas Schönes gönnen. Vielleicht einen großen Eisbecher in deinem Lieblingscafe? Und beim Genießen kannst du schon über ein neues Ziel nachdenken.

Denn das ist das Gute an deinen inneren Zielen – wenn du sie erreichst, befriedigt dich das weit mehr als die äußeren Ziele. Der Erfolg war nur durch dich gewollt und von dir selbst herbeigeführt. Und das macht verdammt stolz.

Erfolgreich Sein – Hab Spaß an den Wettkämpfen

Nimmst du regelmäßig an Wettkämpfen teil? Und bist auf der Jagd nach deinen Bestzeiten. Das ist prima. Denn dadurch begibst du dich raus aus deiner Komfortzone. Denn egal wie schnell du läufst, bei einem Wettkampf gibst du einfach mehr.

Erfolgreich sein mit den richtigen Zielen
Mit den richtigen Zielen bist du erfolgreich

Wenn es dir Spaß macht, dich mit anderen zu vergleichen, dann tu es. Behalte aber immer im Hinterkopf, dass es eigentlich um nichts geht. Denn Weltmeister werden wohl die wenigsten von uns werden 😉.

Aber wenn es gut läuft, du Glück hast und auf das Siegertreppchen darfst: Dann koste diesen Moment voll aus. Denn wie heißt es so schön: heute eine Königin …

Wichtig ist in meinen Augen, den spielerischen Aspekt nicht zu verlieren. Wenn wir uns schon bei Wettkämpfen vergleichen, warum dann nicht wie die Kinder im vergnügten Kräftemessen.

Aber auch ohne den Drang oder die Möglichkeit, auf den ersten Plätzen zu landen, kannst du bei einem Wettkampf erfolgreich sein. Zum Beispiel, indem du deine Laufzeit um ein paar Sekunden verbesserst. Oder es endlich schaffst, die 10 Kilometer richtig gut (ohne das Gefühl, gleich sterben zu müssen) durchzulaufen.

Erfolgreich sein – vergleiche dich nicht (immer) mit anderen

Wir wissen es eigentlich besser: All die Vergleiche mit anderen Menschen machen uns nur unglücklich. Es ist extrem anstrengend, besser zu sein als die anderen. Und wenn du es schaffst, deine Konkurrenz hinter dir zu lassen, ist beim nächsten Wettkampf wieder jemand dabei, der schneller ist.

Oft werden in den sozialen Medien Laufzeiten gepostet. Lass dich davon nicht verrückt machen. Du weißt nie, wie oft diejenige trainiert oder wie lange der andere schon läuft. Jeder Sportler hat seine eigene Geschichte, seine körperlichen Grenzen und ein begrenztes Maß an Zeit für das Training.

Es ist besser, auf sich selbst zu schauen. Aber auch das bitte, ohne die Messlatte zu hoch zu legen. Sicher kann man sein ganzes Leben fit bleiben. Aber die Möglichkeiten zur Verbesserung sind nicht unendlich.

Wir alle werden älter. Wie sich dieser Prozess auf deine sportliche Leistung auswirkt, kannst du jetzt noch nicht wissen. Falls du aber langsamer bist als noch vor ein paar Jahren: Was solls. Mach weiter, geh laufen und hab Spaß dran.

Werde ich wieder an Wettkämpfen teilnehmen?

Na klar! Ich freue mich auch schon sehr darauf. Vor allem möchte ich endlich meinen ersten “offiziellen” Marathon laufen. Vielleicht wird es ja Berlin 2022. Berlin 2022 – das hört sich verdammt cool an, oder?

Ein großes Ziel - der Marathon
So eine Medaille zu erlaufen – ein herrlicher Erfolg

Unser Laufverein nimmt seit vielen Jahren am Niederlausitzcup teil. Da gibt es für jeden Lauf Punkte. Je besser du platziert bist, desto mehr Punkte hast du am Jahresende. Eigentlich eine wunderbare Sache. Mit einem Haken: Es ist stressig, an fast jedem Wochenende dabei zu sein.

Die Jagd nach Punkten hat mir fast den Spaß an diesen Laufveranstaltungen genommen. Dabei sind da wirklich richtig schöne Wettläufe dabei. Ich liebe den Biehlaer Froschlauf, den Lauf in Bad Muskau, den Braunsteichlauf… Mh, irgendwie hat jeder seinen eigenen Reiz und die Vereine geben so viel, dass es richtig schön wird.

Aber es sind zu viele geworden. Weniger ist eben manchmal mehr. In den letzten Monaten hatte ich Zeit, mir über meine Ziele klar zu werden. Ich möchte nur noch da laufen, wo ich richtig Lust drauf habe. Ich will verreisen und in anderen Ländern Marathons laufen. Und lieber mehr Zeit in ein gutes Training stecken, um meine großen Ziele besser zu meistern.

Wie ist es bei dir? Hast du dir mal Gedanken gemacht, wo du sportlich gesehen hin willst? Wir sollten uns ab und zu Zeit nehmen und überlegen, was für uns wirklich zählt.

Und schneller, höher, weiter muss das eben nicht immer sein.

Entspannter macht es richtig Spaß

Übrigends habe ich schon öfter mit Antje über unsere ehemalige “Konkurrenz” gesprochen. Heute können wir nur noch die Augen verdrehen und über uns selber lachen. Solch ein verbissener Wettstreit wie damals ist für uns definitiv Geschichte.

Erfolgreich sein - zusammen sind wir stark
Erfolgreich sind wir nur gemeinsam – auf viele Laufjahre

In den letzten zwei Jahren sind wir vor allem durch unsere gemeinsamen Laufabenteuer Freundinnen geworden. Und wenn wir uns mal wieder auf der Wettkampfstrecke sehen, gibt es bestimmt ein High Five und eine herzliche Umarmung. Und nach der Anstrengung ein gemeinsames, kühles Radler. Oder zwei…

Was bedeuted es für dich, erfolgreich zu laufen? Schreib mir doch mal deine Gedanken hier unten in das Kommentarfeld. Ich freu mich, von dir zu hören.

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Dieser Beitrag hat 4 Kommentare

  1. “Allein die Tatsache, das wir laufen, macht uns erfolgreich.” <- genau das denke ich auch. Schön, dass du aus meinem Impuls so einen umfassenden Artikel gezaubert hast 🙂

    Liebe Grüße
    Anna

    1. Andrea Kuschan

      Liebe Anna,

      was für eine Freude: ein Kommentar von dir 😊. Ja, es viel mir am Anfang gar nicht leicht, zum Thema Erfolg zu schreiben. Ist doch Erfolg etwas, was wir oft mit Leistung und Arbeit verbinden. Laufen und Bewegung sollte aber viel mehr unser Bedürfnis und unsere Freude sein.

      Es war mir ein großes Vergnügen, mal wieder bei dir in der Blognacht dabei gewesen zu sein.

      Sei ganz lieb gegrüßt
      Andrea

  2. Ulli

    Hi , super toller Artikel, gehe oder versuche 2 mal die Woche laufen zu gehen, leider nicht immer zeitlich möglich. Habe 2 Halbmarathon absolviert, für einen Marathon fehlt mir der Mut und vielleicht auch noch der Ehrgeiz, muss vielleicht mit 54 niemanden mehr was beweisen, hast du Tipps ? Lg Ulf

    1. Andrea Kuschan

      Hallo lieber Ulli,

      zuerst einmal vielen Dank für dein schönes Feedback. Es freut mich zu hören, dass dir mein Beitrag gefällt.

      Zweimal die Woche laufen gehen ist ja schon sehr, sehr gut. Jetzt weiß ich nicht, wie lang deine Laufeinheiten sind. Optimal wäre ein dritter Lauf pro Woche, wenn du Fortschritte erzielen möchtest.

      1 * Training pro Woche bringt eigentlich nichts (ok, Bewegung ist immer gut, aber einmal ist keinmal)
      2 * Pro Woche – du hälst dein Niveau, aber du verbesserst dich nicht
      3 * pro Woche (oder mehr) – deine Leistung wird steigen

      Jetzt kommt es natürlich auf die Ziele an. Wenn es solch ambitionierte Ziele wie ein Marathon sind, dann musst du meiner Meinung nach auch entsprechend trainieren. Ich meine dabei nicht, dass du besonders hart trainieren musst, aber 3 Läufe (davon ein langer Lauf) sollten es schon sein.

      Warum fehlt dir der Mut? Wenn du schon zwei Halbe geschafft hast, dann kannst du auch einen Ganzen schaffen. Muss ja nicht gleich nächste Woche sein. Es ist ja auch ein großes Ziel, ein großer Traum. Du musst dir nur überlegen, warum du einen Marathon laufen willst.

      Damit sind wir auch beim Punkt Ehrgeiz und es jemanden beweisen. Ehrgeiz klingt auch gleich so nach super Leistung. Das muss aber gar nicht sein. Wichtig ist, diese Strecke zu bewältigen. Mit genügend Vorbereitungszeit kann ein Sportler wie du auch einen Marathon schaffen.

      Wenn du einen Marathon laufen willst, dann wirst du auch dafür trainieren wollen. Damit du diese Distanz gesund und mit Freude laufen kannst. Nicht, damit du mit einer super Zeit finished (was auch immer das für eine Zeit sein mag).

      Natürlich musst du mit 54 Jahren niemandem etwas beweisen. Das musstest du aber auch mit 30 nicht. Auch nicht mit 20. Denn darum geht es nicht. Sondern allein um die Frage: Was will ich und warum?

      Ich finde sogar, dass das Warum nicht zu wichtig ist. Eigentlich zählt nur: Du willst es:

    2. ausprobieren
    3. das Feeling spüren
    4. deine Grenzen austesten
    5. Spaß haben
    6. ein großes Ziel haben
    7. Diese Liste ist unendlich. Frag dich einfach: Will ich einen Marathon laufen? Wenn die Antwort ein einfaches Ja ist, wirst du die Wege und die Zeit finden, dafür zu trainieren.

      Lass dir für deinen ersten Marathon viel Zeit. Also plane ihn nicht in den nächsten 3 Monaten. Besser wäre zu sagen: im nächsten Jahr laufe ich meinen ersten Marathon. Zum Beispiel mit 55 Jahren. Das klingt doch super, oder?

      Wenn du das also weißt, kannst du anfangen, an jedem Wochenende einen längeren Lauf einzubauen. Steigere hier langsam von Woche zu Woche, lege aber auch Pausen ein. Und dann suchst du dir einen tollen Marathon aus. 3 Monate vorher beginnt das spezifische Marathontraining. Nicht auf eine bestimmte Zeit, sondern mit dem Ziel: ankommen.

      Und ich bin mir ziemlich sicher, dass du das dann auch wirst. Und du wirst unglaublich stolz auf dich sein. Und nur darauf kommt es an. Auf dich selbst.

      Ganz liebe Grüße
      Andrea